Bibliotheken: Alles andere als verschlafen

Mittwoch, 20. Feb. 2008

Wer auf der Suche nach Informationen f√ľr die Schule oder f√ľr die n√§chste Ausgabe der Sch√ľlerzeitung ist, beschr√§nkt seine Suche oft auf google und das Internet. Doch das kann sich als Fehler herausstellen, sind doch viele der schnell erreichbaren Informationsquellen nicht verl√§sslich genug. Anders ist es bei B√ľchern, die nicht nur die Pr√ľfung des Verlages durchlaufen m√ľssen, sondern das enthaltene Wissen auch langfristig und unver√§nderbar abgeben. Doch handelt es sich bei Bibliotheken nicht um verstaubte und altmodische Orte? Wir haben bundesweit ausgew√§hlte Bibliotheken angeschrieben, um herauszufinden, wie es um die Antwortgeschwindigkeit, die Kundenfreundlichkeit und die Flexibilit√§t steht.

Unsere freie Mitarbeiterin Jenny, 18 und Sch√ľlerin, hat die Leiter der Bibliotheken angeschrieben und nach einem nach unserem Kenntnisstand bisher nicht in der jeweiligen Bibliothek vorhandenen Taschenbuch gefragt. Gespannt wartete sie auf die Antworten und wurde in vielen F√§llen positiv √ľberrascht. Nicht nur vor Ort entpuppten sich viele Bibliotheken als kundenorientiert und blitzschnell, sondern auch in der digitalen Welt.

 

"Wir haben in der Schule √ľber B√ľcher gesprochen und dabei ist mir ein Titel besonders aufgefallen" schreibt Jenny an die Bibliotheken und ist gespannt. Wird sie √ľberhaupt eine Antwort bekommen? Welche Stadt hat die schnellste Bibliothek? Und was wird man ihr antworten? F√ľr den Test hat Jenny sich f√ľr ein preiswertes Taschenbuch (6,95 Euro) eines gro√üen Ratgeberverlages entschieden, das generell in die meisten Bibliotheken passt, vom Preis her aber ohne Probleme von den meisten Entleihern auch selbst angeschafft werden k√∂nnte. Bei eigenen Anfragen sollte man zun√§chst einen Blick darauf werfen, was der beste Kommunikationsweg mit der √∂rtlichen Bibliothek ist. W√§hrend die einen am schnellsten per E-Mail antworten, ziehen die anderen die Eingabe √ľber ein entsprechendes Formular auf ihrer Homepage vor und k√∂nnen diese Anfragen schneller beantworten. Traditionell h√§lt es hingegen die Bibliothek in Kelsterbach. Dort liegt ein goldenes Wunschbuch aus, in das man Buchw√ľnsche eintragen darf. In eiligen F√§llen steht das Personal nat√ľrlich auch pers√∂nlich zur Verf√ľgung.

 

Platz 1 f√ľr die schnellste Antwort auf die Anfrage geht an Diana Wolf vom Landkreis Rastatt. Doch leider enth√§lt ihre Antwortmail nicht die ersehnte Auskunft, sondern nur den Hinweis auf die Stadt Rastatt. Wie diese zu erreichen ist, verr√§t die Mail leider nicht. Doch auch viele andere Bibliotheken zeigen sich von ihrer besten Seite. Allein in der ersten halben Stunde haben an einem Mittwoch-Nachmittag bereits 10 Prozent der Angeschriebenen die E-Mail beantwortet. Die Antworten sind von Qualit√§t und L√§nge sehr unterschiedlich, doch in den meisten F√§llen hilfreich. So versprechen einige Bibliothekare das Buch zu bestellen, andere erkl√§ren, dass Taschenb√ľcher nur eine kurze Lebensdauer haben und deshalb nicht angeschafft werden k√∂nnen. Wieder andere geben den dezenten Hinweis, dass unsere Testerin sich das Buch aufgrund des geringen Preises selbst kaufen soll. Das ist zwar nicht sehr kundenfreundlich, aber in Zeiten knapper Kassen bei den √∂ffentlichen Bibliotheken nachvollziehbar.

 

Viele Bibliotheksmitarbeiter haben vor der Antwortmail sogar einen Blick in die Kundenkartei geworfen und erkundigen sich, wo unsere - selbstverst√§ndlich nicht in der regionalen Kundenkartei enthaltene Testkundin - denn herkommt. Von freundlicher R√ľckfrage und dem Hinweis, dass man mit Sch√ľlerausweis einen kostenfreien B√ľchereiausweis beantragen kann, bis zur direkten Unterstellung, man k√∂nnte mit dem Verlag unter einer Decke stecken, reicht das Repertoire der Bibliothekare. Mit Zusatzinformationen √ľber die eigene Bibliothek halten sich die meisten Angeschriebenen erstaunlicherweise zur√ľck. Nur die wenigsten haben unter ihrer E-Mail eine Signatur mit Kontaktdaten und - noch wichtiger - den √Ėffnungszeiten der Bibliothek. Einen Sonderpunkt verdient h√§tte Dr. Alwin M√ľller-Jerina von der Bibliothek Neuss. Er antwortete nicht nur schnell, sondern entdeckte auch unseren Test und informierte √ľber eine Mailingliste sogleich seine Kollegen. "Sie haben ja eine geradezu g√∂ttliche Allgegenw√§rtigkeit!" lie√ü er Jenny wissen und bewies damit nicht nur seine Schnelligkeit, sondern auch Humor. Dass die Netzwerke im Bibliothekswesen funktionieren, beweisen andere Bibliothekare, die M√ľller-Jerinas E-Mail nur Minuten sp√§ter an Jenny weiterleiten. Netzwerke gibt es nat√ľrlich nicht nur zwischen den einzelnen Bibliotheksmitarbeitern. Ein n√ľtzliches System erm√∂glicht registrierten Nutzern der Bibliotheken an vielen Orten die Fernleihe. Dabei wird das gew√ľnschte Buch in k√ľrzester Zeit aus einer anderen Bibliothek herbeitransportiert und dem Kunden zur Verf√ľgung gestellt. So haben auch kleine und mittlere Bibliotheken die M√∂glichkeit ihre Kunden mit einem gro√üen B√ľchersortiment zu erfreuen.

 

Bis zum Abend hatten immerhin 25% der ausgew√§hlten Bibliotheken - sowohl aus kleinen D√∂rfern als auch aus gro√üen St√§dten - geantwortet. Und immer wieder √ľberzeugten einzelne Bibliotheken mit Witz und besonderem Kundenservice. Gleich mehrere Bibliotheken versprachen die Anschaffung des Buches, obwohl der Aufwand f√ľr ein Taschenbuch eigentlich zu gro√ü erschien. Bedingung f√ľr die Anschaffung: Die Beantragung eines Bibliotheksausweises. Das √ľberzeugt, denn wenn die Bibliothek das Buch schon auf Wunsch eines einzelnen Lesers anschafft, darf man wohl auch erwarten, dass dieser es ausleiht. Das Recht zur ersten Leihe eines neu angeschafften Buches wird in den Bibliotheken ganz unterschiedlich gehandhabt. W√§hrend einzelne Einrichtungen bis zu 1,50 Euro Reservierungsgeb√ľhr verlangen, ist es f√ľr andere eine Selbstverst√§ndlichkeit das Buch unb√ľrokratisch zur√ľckzulegen und gemeinsam einen Blick auf die Neuanschaffung zu werfen. Der Test zeigt eindrucksvoll, dass die Bibliotheken auf dem besten Weg sind ihren angestammten Platz als Ort der Recherche und des Wissens auch in den Augen junger Menschen zur√ľck zu erobern. Wer heute noch googelt und das ein oder andere Mal einer Fehlinformation aufsitzt, √ľberzeugt sich vielleicht schon morgen wieder in der √∂rtlichen Bibliothek von den Tatsachen. Dass auch die eifrig googeln, zeigt Detlev Hoffmeier aus Grenzach-Wyhlen, der unsere Autorin im Internet gefunden hat, nachdem die Suche in der Nutzerkartei und dem √∂rtlichen Telefonbuch erfolglos blieb. Doch gleich nach der stolz pr√§sentierten Entdeckung l√§dt Hoffmeier ein, sich einige Buchempfehlungen anzuh√∂ren und bietet an, √ľber die vorgeschlagene Anschaffung noch einmal nachzudenken. Auch seine Signatur erf√ľllt alle denkbaren Kundenw√ľnsche und enth√§lt Kontaktdaten, √Ėffnungszeiten und einen Link auf den Onlinekatalog. Den empfiehlt auch Kurt Menter aus der Stadtbibliothek Schopfheim im Wiesental. In seiner hypervirtuellen Bibliothek h√§tten wir uns davon √ľberzeugen k√∂nnen, dass unsere Buchempfehlung bereits bei ihm im Regal steht.

 

In unserem Test haben die Bibliotheken alle bisher von uns getesteten Einrichtungen (Einwohnermelde√§mter, Schulen, Universit√§ten) klar √ľbertroffen und sich damit als erstklassige Recherchegrundlage pr√§sentiert. Lohnen kann sich neben dem Bibliotheksausweis ein guter Kontakt zu den Mitarbeitern vor Ort. Die haben meist nicht nur in der Hand, welche B√ľcher angeschafft werden, sondern auch erstklassiges Wissen √ľber die aktuelle B√ľcher und die besten Wege der Recherche. Ein Beispiel daf√ľr ist Stefan Meisel aus Kehl. Er hat das angefragte Buch nicht im Regal stehen, will es auch nicht kaufen und macht den Kunden doch mit der Empfehlung anderer thematisch passender Werke gl√ľcklich. Zwar hat nicht jede Bibliothek so vorbildlich schnell und kompetent geantwortet, wie die im Text erw√§hnten, dennoch darf man hohe Erwartungen haben, wenn man den Internet-PC herunterf√§hrt und sich in die √∂rtliche √∂ffentliche Bibliothek begibt.


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